In Zeiten voll Freud und Wonne

Aus dem Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm: „Wonne – was freude, lust gewährt, genuss bereitet… ergötzung, annehmlichkeit, vergnügen…“ – Oder? KEIMZEIT!

Wie schnell das ging, und schon sind da wieder diese kurzen Tage der weiten Herzen, der empfindsameren Seelen, des Innehalten-Wollens, der größeren Sehnsucht nach Tiefe, nach einem Angerührt-Werden, nach Liebe und Frieden, nach Licht. Also für mich hatte Birgit eines ins Fenster gestellt, genau genommen achtzehn oder neunzehn…

Ein anderes schien von der Kulturbrauerei her. KEiMZEiTlich leuchtend sollten hier die aus aufgegangenen Gedankenkernen der Beobachtung und Erkenntnis zu Poesie gereiften Lieder, Klänge, Bilder, Klangbilder die Anwesenden umspielen (andere Bilder gibt es heute leider nicht, es sei denn, es hätte jemand welche abzugeben?).

Nach unglaublich langer Abstinenz – Belzig! – hatte ich gerade vor einer Woche in Erfurt eines dieser sanft-intensiven Akustik-Konzerte erleben dürfen und war nun voll Vorfreude und Neugier auf die Lieder, die ich in dieser Version mit dieser Besetzung schon lang nicht mehr oder noch gar nicht gehört hatte.

Der fröhlich weibliche Charme und der der Geige wurden zurück getauscht. Die beiden Herren in der Zweiten Reihe nahmen ihre Stammplätze ein, wie schön das war, sie wieder zu sehen, zu hören. Der große, dicke, freundliche Kontrabass war von der Bühne verbannt, Hartmut hatte nun die Zügel auf den kleinen E-Bass gespannt. Und Ede Merkel und Sebastian Piskorz hatten eine kleine Auswahl an Blasinstrumenten mitgebracht. Anders würde es klingen, wieder voller, lauter. Auch, später.

Zuerst lockten uns die Musiker sachte aus diesem öden, langweiligen Grau in FRiSCHEN WEißEN SCHNEE und es hat sich sicher des Einen oder Andern Sehnsucht darin gefunden. Scheint er doch irgendwie in diese Zeit zu gehören. Aber für den Rest des Abends teilten sie mit uns die in Andalusien, wo sie verweilten, um das 10. Studioalbum aufzunehmen, mit dem sie uns in ihrem 30.! Jahr beschenken werden, getankte Sonne. Und die Lichtblicke. Und Heiterkeit.

Der warme Südwind also wehte uns die Musiker wieder her und mit ihnen auch ein paar der Stücke jener CD, KOLUMBUS wird sie heißen, deren Werden man im Netz schon ein bisschen verfolgen kann.
Und was sie so klingen lassen klingt gut!

Es gibt Lieder, die mich schon gleich mit den ersten Tönen fassen, denen ich mich still ergebe, um mit jeder Pore zu lauschen, um mich streicheln und durchströmen zu lassen, nicht einen Ton zu versäumen und es ist nicht nur sonderbar, es ist vor allem wunderbar, ergreifend, wie die Sinne sich dann öffnen – so plötzlich ‘eine vertraute Melodie’. ROSETTA wirkte, als hätte sie nochmal in goldenem Licht gebadet.

SINGAPUR, Spot auf Andreas, ein weiterer auf Norbert, dann große Musik in der all die mitgereisten Träume und Gedanken sich sammelten, ausbreiteten, rauschten. Regen, Nacht, Nebel… mit dem für mich doch sehr echt klingenden Schiffssignal (ich war noch nie in der misslichen Lage, an Bord eines Schiffes eines hören zu müssen) und mit kleinen Leuchtfeuerbällen an den Wänden, wurde die Gefahr gebannt, mit dem LEUCHTTURM zusammen zu stoßen, zu dem die Musiker eben noch lieblich pfeifend schauten.

Weit heftiger trieb uns der Bass ins KAPITEL ÖLF, Andreas an der Gitarre (an der Stelle muss ich mal meine Freude bekennen über sein weiteres Engagement beim Club der toten Dichter, Schiller demnächst!), nein, er sang diesmal leider nicht, dafür Rudi, den Norbert respektvoll als Singer/Songwriter ankündigte, THE LETTER. Ja!

Stück für Stück, eines um und in das andere verwebten KEiMZEiT Texte und Musik zu farbigen, eindringlich stillen oder satten, lauten, Bildern. So aus diesem enthüllenden Spiegelbild des schnöden Schein-Seins und dessen überdrüssig der Ruf ERZÄHL MIR VON DIR! Und nun die Bitte, die Herausforderung: „Sag mir, was ich noch nicht gehört hab, …zeig mir, was ich noch nicht gesehen hab…“, hier ist ein unentwegt Suchender nach Neuem, nach Geheimnis und Wahrheit. Bereit zu ‘Aufbruch und Reise, um lähmender Gewöhnung’ aus dem Weg zu gehen. Nicht nur, dass das sehr ansteckend und anregend ist. Wenn ein Norbert Leisegang mit dieser großen Sehnsucht und Neugier auszieht, dann birgt jede seiner Entdeckungen der verborgenen Winkel der Welt oder eines Herzens, jedes Staunen, jedes Wunder auch die Möglichkeit verdichtet neu zum Lied zu werden.
Und so weiter…

Und auch bei einem Konzert gibt es neben tiefer Wahrnehmung von Leben in all dessen hellen und dunklen Farben immer wieder auch kleine Entdeckungen, die Spaß machen – hier, wie Sebastian auf seine Weise auf der Suche nach der Zeitblume (was das auch für ein schönes Wort ist) die Bühne eroberte, versuchte Roland aus dem Takt zu bringen, was ihm natürlich nicht gelang oder uns zeigte, dass eine Kommunikation mit Walen via Flügelhorn möglich sein könnte, oder kleine choreographische Spielereien der Musiker, ein für alle völlig überraschender, fröhlicher Ton aus Rudis Gitarre, dieses beseelte Saxophon und nicht zuletzt die beiden allerliebsten Kleinen, an denen offensichtlich der eine oder andere Kelch vorüber gegangen ist, die gleich das Glück guter Musik erfahren durften, sie waren äußerst textfest. Noch als sie fast schon schliefen.
Dann aber doch der LÖWE für alle.

Eine frohe Zeit Euch allen! Und bleibt wachsam, die Möglichkeit mit einem Engel zusammen zu stoßen ist vielleicht grad größer als sonst…
Herzlichsten Dank KEiMZEiT, Dirk, Birgit.

Bericht: Angela

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1 Kommentar von "In Zeiten voll Freud und Wonne"

  1. 23. Dezember 2011 - 23:05 | Permalink

    Einen herzlichen Dank auch an Dich, liebe Angela! Wieder einmal hast Du es geschafft, mir den erlebten Abend zurück zu bringen, in ein so besonderes Licht zu setzen, als ich es mit meinen eigenen Worten und Gedanken nicht vermocht hätte. Ja, diese besonderen Konzerte zum Ende der Jahre sind schon eine schöne Tradition geworden, welche ganz besondere Emotionen in uns allen auslösen. Schön, daß wir uns auch im nächsten Jahr auf einen solchen Abschluss freuen dürfen. Dann solltest Du aber am gesamten Wochenende teilnehmen dürfen, also schon mal in die Planung aufnehmen ;-) Ich wünsche Dir, wie all unseren Freunden und Lesern ebenfalls ein schönes, in Liebe getauchtes Weihnachtsfest und einen rauschenden und vielleicht auch be- rauschenden Jahreswechsel.
    Liebe Grüße Birgit

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