Wenn es am Schönsten ist…

… sollte man gehen!?

Nun, wir gingen… . Der Auftakt des letzten Tourblocks der Rilke-Vertonung durch den CdtD, lud uns nach Erfurt ins „DasDieLive“.
Einer inneren Eingebung folgend, oder war es ein glücklicher Zufall? Wie dem auch sei, ich hatte das Glück, einige Tage Urlaub genießen zu können und somit die Möglichkeit dabei zu sein.

Ein naßkalter Tag. Man mochte eigentlich nicht vor die Tür. Der Winter ließ, den letzten Sommer nachahmend, auf sich warten. Nicht wirklich gute Voraussetzungen für einen Winterurlaub. Aber der ideale Gefühlseinstieg für einen Rilkeabend, wie ich fand.

So denn betraten wir, nach einer kurzen Fahrt durch den Nieselregen das alte Gebäude mit dem kleinen, aber edel in roten Samt gekleideten Theatersaal. Schon dieses Ambiente ließ festliche Stimmung in uns aufkommen. Wir suchten uns einen geeigneten Tisch in der kleinen Loge. Etwas eng zwar, aber dafür eine hervorragende Sicht auf das gesamte Ensemble von oben.

Dies wird ein besonderer Abend, sagte mir mein Bauchgefühl. Festliche Stimmung stieg in mir auf. Ja, fast wie die Wiederholung des Weihnachtsfestes aus Kinderaugensicht. …Nein, noch viel schöner!
Dann wurde es langsam dunkel im Raum. Der Kronleuchter nahm sein Licht langsam zurück.

Erwartungsvolle Stille erfüllte den Saal. Abgelöst wurde Diese durch kräftigen Applaus, als die Band die Bühne betrat.

Das Konzert begann wie gewohnt. Aber etwas schien anders. Schon nach den ersten Tönen erfüllte mich ein Gefühl der unbändigen Freude, aber auch eine tiefe Traurigkeit der Gewissheit, daß dieses Konzert für mich das Ende bedeuten würde. Ein Ende des Erlebens der genialen Fusion der Werke eines meiner Lieblingsdichter mit ebenfalls genialer Intonation und Darbietung der wohl harmonischsten Band, die ich kenne.


Die melancholischen Rilketexte vertieften in mir das Gefühl des Abschiednehmens. Die Musik und das Zusammenspiel der Akteure hingegen erweckten ein seltsames Glücksgefühl. Chaos herrschte in meinem Kopf. Ich ließ mich treiben auf den Wogen der Musik, stieg hinab in die Gefühlswelt der teils tragisch, teils hoffnungsvollen Texte. Dann wieder sah ich in die Gesichter der Musiker, sah ihrem Spiel intensiv zu. Mein, diesmal so erhöhter Aussichtspunkt gab mir die einmalige Gelegenheit, die Akteure bei der Arbeit intensiv zu beobachten.

Katharina bezauberte mich wieder einmal mit ihrer phantastischen Stimme. Jedoch nicht nur das. Sie schien die Texte förmlich zu leben. Nein, sie zitierte nicht nur, auch ohne Musik fühlte man ihr den inneren Zwiespalt, die Melancholie, die Tragik, welche den Rilkegedichten inne ist, fast körperlich an.

Andreas, so leidenschaftlich wie man ihn kennt, schien diesmal noch tiefer in die Klänge versunken. Er spielte nicht nur, er verkörperte die Musik.

Tim bewies einmal mehr, daß er nicht nur der Meister der lauten Rhythmen ist, sondern auch die ganz leisen Töne seines Schlagwerks beherrscht.


Und Markus schien diesmal noch tiefer nach den dunklen Tönen zu tauchen. So, als wolle er auch noch das am tiefsten Verborgene seinem Bass entlocken.


Maxs hingegen lockerte die Stimmung mit seinem genialen Wortwitz immer wieder so gekonnt auf, daß mir für langes Sinnieren und Trauern keine Zeit blieb. Er kokettierte mit seiner Angst, auch beim 68. Konzert einen Texthänger zu haben. Nun, bei diesen langen, schwierigen Zeilen wäre das verständlich und verzeihlich gewesen, aber es passierte an keiner einzigen Stelle. Hut ab! Ich hätte das nicht gekonnt. Eine geniale Gedächtnisleistung! (… oder wurde an manch einer Stelle doch mal ein ganz klein wenig gespickt? :-) unwahrscheinlich! Sowas hätt man doch sicher gemerkt!)

Als Katharina dann a cappella die „Laute“ anschlug und den Rilke-Text mit ihren eigenen Worten ersetzte: „… ich vermisse euch Alle schon jetzt…“ , war für mich endgültig die „Zeit des Taschentuchs“ gekommen. „Wir werden Dich auch vermissen, in dieser Formation und in diesem Programm!“

Neben der Musik und den Worten des „toten Dichters“ versuchte sich Maxs noch in geografischem Nachhilfeunterricht. Kommt nun der WDR aus NRW oder nicht? Die Frage konnte an diesem Abend nicht zu 100% geklärt werden. Anscheinend waren wohl alle an diesem Punkt in der Schule Kreide holen oder auf´m Klo. :-)
Der brandenburgische Wolf war natürlich auch wieder ein Thema und daß Maxs ADS hat, jedoch augenscheinlich nicht drunter leidet, ist ja inzwischen hinlänglich bekannt.
Allerdings, daß der Wolf nun doch nicht tot ist, sondern jetzt mit dem Huhn zusammen lebt, halte ich nun doch für ein Märchen.

Katharina gab noch zum Besten, wie sie in den „Club der geilen Typen“ geraten war und ihr Angst und Bange ward, den Ausspruch zu hören:“… komm her Baby, ich zeig Dir wie es geht“. Nun, dem war ja dann doch nicht so und es ergab sich eine so herzliche Zusammenarbeit, die man als Zuschauer auch bei den Vorstellungen immer wieder spüren konnte.

Dann kam das Unvermeidliche. Nach den multiplen Zugaben und dem gemeinsamen Abgesang, Andreas an seiner „Spatzway“ und die Band zusammen mit dem Publikum, ging der Kronleuchter wieder an und das Programm zu Ende. Für mich leider ein letztes Mal. Mir bleibt jetzt der, schon lange erworbene Tonträger, unzählige Bilder und die Erinnerung an eine wundervolle Zeit.

„Eines Wunders Melodie“ ist nun verklungen. Die Werke Rilkes nun wieder Gedichte und Geschichte und eine musikalische Reise leider vorbei.

Bei aller Wehmut lässt sich jedoch auf Eines freuen. Es wird einen neuen CdtD geben. Und die Band bleibt zusammen. Außer leider Katharina, welche neuen Zielen entgegensieht, eigene Wege geht und ganz sicher auch dabei sehr viel Erfolg haben wird.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei ihr und wünschen ihr viel Glück bei ihren zukünftigen Projekten, welche wir selbstverständlich mit verfolgen werden. Soviel ist gewiss.

Für uns und den „Club der toten Dichter“ heißt es, sich nun auf 2013 freuen, wenn es unter Anderem heißen wird: „ Freude schöner Götterfunken“

Bis dahin alles Liebe
Eure Birgit

Fotos: René

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1 Kommentar von "Wenn es am Schönsten ist…"

  1. Dominik's Gravatar Dominik
    26. Januar 2012 - 11:01 | Permalink

    Liebe Birgit, ein schöner Bericht und tolle Bilder wie immer von René. Vergangene Woche durfte ich dies Programm erstmalig und jawohl auch letztmalig sehen, hören und genießen – in Schwerin. Es ist wahrlich beeindruckend, was Maxs da immer wieder Herrliches auf die Beine stellt. Ein bisschen wehmütig war ich nach dem Konzert, dass ich nicht schon viel früher mir eines angehört hatte. Nun bin ich gespannt auf das, was folgt!
    Bis bald und liebe Grüße,
    Dominik

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