Sexy und die Kapelle, rumm ta ta…

Hamburg, 25.10.2010, O2-World

Natürlich wollte ich noch mal hin. Meinem Vater sei Dank, kann ich seit meinem sechsten Lebensjahr die Titel mit trällern. Marius Müller Westernhagen – einmal hatte ich ihn schon live gesehen, vor rund zwei Jahren zu seinem Birthday Bash. Am 25.10.2010 nun noch einmal. Ein zweites Mal – das reicht dann auch, denke ich.

Peitschender Regen trieb uns gegen 19:30  in die O2 Arena. Bier aus Plastikbechern mit Westernhagen-Tourdaten und Emblem, klar kam davon einer mit! Als Andenken. Isochronous, eine junge Band aus Südafrika, heizten den 10.500 Westernhagen-Angereisten als Vorband ein. Bis 20:30 ließ er sich bitten.

Schon jetzt „Zäääksssääääiii“ – Rufe aus dem Publikum und „Taaaaxiiiii“ – womit wohl der Titel „Taximann“ umschrieben oder leicht abgekürzt wurde. Dann, das Licht ging aus und runde Scheinwerferlichter auf einem türkisen Vorhang an. Manege frei für den röhrenden Rocker mit „Jesus, gib mir dein Leben…“.

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Man möge sich streiten, doch ich mag sein Erscheinungsbild, lässig arrogant. Richtig schön arrogant. Ich finde er darf das! Obligat der Seidenschal und die runde Sonnenbrille. In Westernhagen-Art tänzelte und dribbelte er über die Bühne. Er sieht gut aus mit seinen 61 Jahren und von seiner Kondition kann sich sicher der ein oder andere noch ein Scheibchen abschneiden.

Jeder Titel untermalt von Bildern und Animationen auf einer überdimensionalen Leinwand. Aber nicht viel Tamtam diesmal. Etwas enttäuscht war ich ob des Fehlens des Gitarristen Jay Stapley, der Westernhagen Jahre lang begleitete. Viele mir unbekannte und junge Musiker aus Amerika. Mehr beißend als weich deren Spiel, aber richtig gut.

Ebenso amerikanisch geprägt das neuste Album „Williamsburg“. Die Titel kommen live sehr gut rüber. „Wir haben die Schnauze voll“ „Hey, Hey“ und „Schinderhannes“ rockten herrlich. Großer Jubel. Er ist glücklich gestand er uns, dass seine neuen Stücke so gut ankommen würden und er wäre heute eh nah am Wasser gebaut. Daraufhin tobte die Halle. Irgendwas hätte ja auch gefehlt. „Heul doch!“ – mochte ich am liebsten rufen. Mitnichten zänkisch gemeint. Auch wenn er sicherlich gern mal variiert hätte oder was anderes gespielt, hatte er uns natürlich seine Klassiker mitgebracht. Ohne die wäre wohl keiner so richtig glücklich geworden. Schließlich wollten wir zu unseren Lieblingen rocken. Zu dem, was für uns typisch Westernhagen ist. So schnodderte er uns lässig seine alten Hits dahin. „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ (zuerst als erdiger Blues, dann die altbekannte Version), „Mit 18“, „Krieg“, „Fertig“, „Alleine“, „Johnny Walker“ natürlich,  …

Beim Liebeslied „Ganz und gar“ für seine Frau Romney, erschien diese direkt auf der großen Leinwand, an der Bühne stehend holte sie sich einen Kuss von ihrem Mann. Tobender Applaus. Mir war das ein bisschen zu viel Show und Schmalz.

Zwischendrin trat er mit einer Akustik-Gitarre in den Hintergrund und überließ seiner langjährigen Background-Sängerin Della Miles die Bühne und LED-Leinwände. Sie stellte uns den Titel „Baby I Want You“ aus ihrem ersten Album vor, welches Westernhagen mit ihr produzierte. Sie erntete tosenden Beifall.

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Für die letzte Zugabe warf er sich dann noch schnell etwas anderes über den Leib, bei „Freiheit“ durfte ein Hut nicht fehlen. So wurde dies vertraut zelebriert und gefeiert „so wie wir heute Abend hier“ und von ihm mit ausgestreckten Armen, gleich einer Jesus-Figur mit der Aufforderung „so kommt jetzt!“ – „Freeeeiheit! Freeeeeiiiiiiiihaaaaaiiiiiiiiit!“

Ein bisschen mehr Stimmung hatte ich erwartet von so vielen Menschen. Aber auch der Rocker selbst schien etwas müde, ob seiner vergangenen Tourtage. Auch das darf er! Alles in allem war es ein gutes Konzert, eine runde Sache. Für mich ein tolles Ereignis, diesen Mann, der auf der Bühne irgendwie übermenschlich wirkt und in seiner Biografie auf DVD „Zwischen den Zeilen“ allzu menschlich ist, live gesehen zu haben.

„Da ist sie wieder, die markante Stimme, (…). Unvergleichlich. Eine Marke. Lieben werden wir ihn nie, den dünnen Hering. Aber respektieren.“ (Tino Lange, Hamburger Abendblatt)“

Text: Dominik Peters
Fotos:  Dominik Peters

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